SOLD CITY – Wenn Wohnen zur Ware wird

Der neue „FILM VON UNTEN“ von Leslie Franke und Herdolor Lorenz | In zwei Folgen
DE 2024, jew. 102 Min., deutsche Originalfassung

– Bundesweiter Premierentag –

Sonntag, 02.06.24 | ab 18:00 | RegenbogenKino

18:00 Uhr: Teil 1: Eigentum statt Menschenrecht
19:50 Uhr: Diskussion mit Matthias Coers
20:30 Uhr: Teil 2: Enteignung statt Miete für die Rendite

Seit die Gemeinnützigkeit des Wohnbaus fast überall in Europa aufgehoben ist, gilt Wohnen nicht mehr als Menschenrecht.
Nun entscheidet der Markt, wo Menschen leben. Damit hat sich ein beispielloses System der Vernichtung bezahlbaren Wohnraums etabliert, das unsere Gesellschaft im Kern auseinander dividiert.

In Deutschland allgemein und besonders in den Groß-Städten leben traditionell mehr Menschen zur Miete als in Eigentum. In Berlin sind es sogar 82%. Diese Menschen sind zunehmend bedroht. Eine neoliberale Politik seit der Jahrtausendwende – dann aber vor allem die Finanzkrise sind die Ursache dieser Entwicklung. Seitdem kreist sehr viel internationales Kapital um das sogenannte Betongold. Ein vergleichsweise guter Mieter*innenschutz in Deutschland wurde zum Wohle des Kapitals mehr und mehr aufgeweicht.
Seither geht es nicht mehr ums Wohnen, sondern um Geldanlage.

„SOLD CITY“ zeigt auf der einen Seite die Ursachen dieses Immobilienbooms, wie die Betroffenen ihn erleben und wie wir uns wehren können.
Wir schauen aber auch über den Tellerrand nach Wien oder in das hochkapitalistische Singapur.
Hier finden wir eine beispielhafte Wohnungspolitik – sinnvoll und denkbar auch hierzulande?

Der 1. Teil befasst sich mit dem System der Umwandlung von Wohnraum in Konzern-Eigentum. Banken, Fonds und internationales Anlagekapital drängen in die Städte.
Kaum jemand scheint mehr sicher vor dem Verkauf seiner Wohnung. Beim Kasse-Machen sind die einzigen, die dabei stören, die Mieter. So formuliert es Daniel Diekmann aus der Habersaathstrasse in Berlin. Beim Entmieten und Zwangsräumen werden die Eigentümer mit ihren teils kriminellen Methoden von der Polizei gedeckt.

Wohnen ist Daseinsvorsorge und Menschenrecht.
Doch die Politik scheint sich völlig von ihrer Versorgungspflicht zu verabschieden. Der Sozialwohnungsbau schwindet im Dienste privater Investoren seit Jahrzehnten trotz Milliarden schwerer Subventionen.
Wie sieht das in anderen Großstädten wie London oder Wien aus, um die das Investorenkapital ebenso kreist?

Der 2. Teil widmet sich dem System, das großen Wohnkonzernen erlaubt, mit der Miete hauptsächlich die Dividenden der Aktionäre finanzieren.
Dies verbinden wir zum einen mit der Forderung der Volksinitiative „Deutsche Wohnen & Co“ nach Enteignung großer Wohnungskonzerne.
Zum anderen schauen wir wohnungspolitisch über den Tellerrand in andere Länder.

In London ist die Situation für Mieter*innen noch um einige Zacken schärfer.
Anna Minton, Buchautorin und Dozentin beschreibt die Verdrängung der arbeitenden Bevölkerung nicht mehr als Gentrifizierung, sondern als Sterilisierung der Städte.
Nur Wien schafft es scheinbar spielend, dass private Investoren zwei Drittel als geförderte Wohnungen bauen müssen und die Mieter darin ihr Leben lang sicher sind.

Warum ist das bei uns nicht möglich? Boden ist ein begrenztes Gut.
Wenn viel „freies Kapital“ über dem Boden kreist, explodieren die Bodenpreise. Genau das ist seit der Finanzkrise passiert. Ein unlösbares Problem?

In der Pause – ca. 19:50 Uhr – laden wir zur gemeinsamen Diskussion mit Matthias Coers ein.

Matthias ist Filmemacher, Fotograf, Soziologe mit besonderem Blick für Wohnen, Stadtentwicklung, Nachbarschaft, sozialen und ökologischen Interventionen.
Sein neuer Film „Varieté Utopolis oder einige Meter Autobahn“ wird ebenfalls im Juni in Berlin Premiere haben.

www.sold-city.org

Eintritt frei, Spenden willkommen.